Quartiersbesuch in Halle-Neustadt

Im Jahr 2014 hat die SPD-Fraktion ihre Quartiersbesuche begonnen. Die Idee dahinter ist einfach. Stadträte, sachkundige Einwohnerinnen und Einwohner und die Abgeordneten aus Land und Bund widmen sich an einem Tag einem bestimmten Quartier. Auf dem Plan stehen Besuche bei Vereinen, Bürgerinitiativen, Schulen und Unternehmen im jeweiligen Stadtteil. In der letzten Woche stand ein Quartiersbesuch in Halle-Neustadt auf der Agenda.

Kinder-, Jugend- und Familienzentrum Dornröschen

Die erste Einrichtung, der wir einen Besuch abgestattet haben, war das Kinder-, Jugend- und Familienzentrum Dornröschen in der Hallorenstraße. Von Montag bis Freitag öffnet das Dornröschen zwischen 14.00 Uhr und 20.00 Uhr seine Türen für Kinder, Jugendliche, Eltern und Großeltern. Im Kern besteht die Einrichtung aus drei Mitarbeitern und vielen ehrenamtlichen Helfern. Dreh- und Angelpunkt der Einrichtung, die versteckt im Hinterhof eines Wohnkomplexes gelegen ist, sind der offene Bereich im Innern des Gebäudes und der großzügige Außenbereich für die Kinder und Jugendlichen. Dort können die jungen Gäste des Dornröschens beispielsweise Billard spielen, toben, basteln oder bei Studentinnen und Studenten vom Verein „Studenten helfen Schülern e.V.“ Nachhilfeunterricht nehmen.
Eindrucksvoll fand ich bei unserem Besuch besonders den Umgang der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Wünschen und Ideen der Kinder und Jugendlichen. Es ist ohne Zweifel wichtig, dass junge Menschen schon früh lernen, wie demokratische Mitbestimmung funktioniert und das es sich lohnt, sich für seine eigenen Vorstellungen einzusetzen. Im Dornröschen wurde deswegen die Clubversammlung eingeführt. Die Clubversammlung bieten für alle jungen Nutzerinnen und Nutzer der Angebote im Dornröschen die Möglichkeit, in einer offenen Debatte über die Fragen, die künftige Freizeitgestaltung in der Einrichtung betreffen, zu diskutieren. Entscheidung werden am Ende durch Mehrheitsbeschlüsse gefasst. Ich glaube, dass die Möglichkeit, den Alltag in der Einrichtung selbst zu gestalten, ein Grund dafür ist, dass täglich bis zu vierzig Kinder und Jugendliche nach der Schule den Weg ins Dornröschen finden.
Die Angebote in diesem Kinder-, Jugend- und Familienzentrum beschränken sich aber nicht nur auf die jungen Bürgerinnen und Bürger aus Halle-Neustadt. Während die jungen Familienmitglieder beispielsweise am Breakdance-Kurs teilnehmen, können sich die Eltern bei der Sozialberatung Tipps und Hilfe für verschiedene Behördengänge holen oder die Großeltern die Angebote für Gehirnjogging oder Hockergymnastik nutzen. Durch das breite Angebot und das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das Dornröschen ein Ort, an dem viele Menschen unabhängig von Alter oder Herkunft ihre Freizeit sinnvoll und gemeinsam miteinander verbringen können.
Am Dornröschen zeigt sich aber erneut sehr deutlich ein Problem, dem ich in den letzten fünf Jahren im Stadtrat von Halle immer wieder begegnet bin und das nicht nur die sozialen Einrichtungen in Halle-Neustadt trifft. Um sinnvoll auf die einzelnen Kinder und Jugendlichen einzugehen, reichen lediglich drei Mitarbeiter bei bis zu vierzig Besucherinnen und Besuchern vorne und hinten nicht. Obwohl präventive Jugendhilfe wichtig ist, ist sie keine Pflichtaufgabe. Das führt dazu, dass Mittel, die für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verwendet werden, allzu oft zur Verhandlungs- und Kürzungsmasse werden. Der Schaden, der dadurch entsteht ist oft erst viele Jahre später sichtbar. Wir haben uns daher im Stadtrat von Halle in den letzten Jahren immer wieder erfolgreich dafür eingesetzt, dass für diesen Teil der sozialen Arbeit mehr Geld zur Verfügung steht. Das Beispiel des Dornröschen verdeutlicht aber – das Ziel ist noch nicht erreicht.

Hallesche Tafel

Die zweite Station unseres Quartiersbesuchs war die hallesche Tafel. Die Tafel steht den Kundinnen und Kunden, die vorher ihre Bedürftigkeit nachgewiesen haben müssen, an fünf Tagen in der Woche offen. Im Schnitt werden durch die Tafel täglich etwa siebzig Haushalte aus ganz Halle versorgt. Gegen ein sogenanntes Scheidegeld, einen geringen und vor allem symbolischen Betrag, können Lebensmittel und andere Versorgungsgüter gekauft werden. Die Waren, die in der Tafel angeboten werden, werden täglich durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tafel bei Einzelhändlern, Bäckereien und Supermärkten eingesammelt. Mitgenommen werden dort ausschließlich Waren, die in einem einwandfreien Zustand sind, da für die Tafeln die gleichen Qualitäts- und Haltbarkeitsvorschriften gelten, wie für normale mit Lebensmitteln handelnde Geschäfte.
Träger der halleschen Tafel ist die Stadtmission. Neben vielen anderen Einrichtungen betreibt die Stadtmission in Halle noch eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Dieser Umstand führt dazu, dass ein Teil der helfenden Hände in der halleschen Tafel von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Werkstatt stammt. Ohne die hallesche Tafel würden viele Menschen mit noch größeren Sorgenfalten in ihren Kühlschrank schauen müssen. Die Arbeit, die dort geleistet wird, ist nicht hoch genug einzuschätzen und auch denen, die Lebensmittel spenden, kann man nur dankbar sein.
Trotzdem ist die Tatsache, dass es in einem Land wie unserem eine Einrichtung wie die Tafel benötigt wird, eine Schande. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tafel berichten, dass die Kundinnen und Kunden der Tafel aus allen Altersgruppen unserer Gesellschaft kommen und teilweise völlig unterschiedliche Biografien haben. Besonders erschreckend ist, dass immer mehr Rentnerinnen und Rentner auf die Tafel angewiesen sind und fast 50 % der Nutzerinnen und Nutzer dieses Angebotes Familen mit Kindern sind. Vor diesem Hintergrund bin ich sehr froh über die jüngsten Vorstöße der SPD auf Bundesebene in Sachen Rente und Unterstützung bei Arbeitslosigkeit. Ich sehe in diesen Initiativen erste Schritte, um die Existenz von Tafeln irgendwann überflüssig zu machen.

FC Halle-Neustadt

Da Halle eine Sportstadt ist, durfte ein Besuch bei einem Sportverein natürlich nicht fehlen. Mehr als 200 Sportlerinnen und Sportler sind beim FC Halle-Neustadt derzeit in 13 Mannschaften aktiv. Im Jugendbereich des am Stadion Neustadt beheimateten Vereins sind von der A- bis zur F-Jugend alle Jahrgänge in Mannschaftsstärke vertreten. Eine besondere Aufgabe, um die sich der komplett ehrenamtlich arbeitende Verein kümmert, ist die Integration. Im Verein sind 24 Nationalitäten vertreten, etwa die Hälfte der Vereinsmitglieder hat einen Migrationshintergrund. Der Einsatz, den der Vorstand und die Trainerinnen und Trainer aufbringen, um aus neuen Vereinsmitgliedern und neuen Mitbürgern möglichst schnell alte Bekannte zu machen, ist immens. Im Jahr 2014 wurde der FC Halle-Neustadt als Anerkennung für sein Engagement daher mit dem Integrationspreis des Deutschen Fußballbundes ausgezeichnet. Die stetig steigenden Mitgliederzahlen sind ein Beleg dafür, dass die Integrationsarbeit, des Vereins auch heute noch erfolgreich ist und honoriert wird. Mit der neuen Sportförderrichtlinie, die maßgeblich durch die SPD-Fraktion gestaltet wurde, wird dieses Engagement für Kinder und Jugendliche und im Bereich der Integration in Zukunft auch bei der kommunalen Sportförderung in Form höherer Fördersummen berücksichtigt.
Am Beispiel des FC Halle-Neustadt wird aber auch ein Problem deutlich, das die hallesche Sportlandschaft in den kommenden Jahren noch stärker treffen wird. Über Jahre war die Entwicklung der halleschen Sportstätten darauf ausgerichtet, dass die Stadt schrumpft und damit auch die Zahl der Mitglieder in Sportvereinen zurückgeht. Heute wissen wir, dass diese Annahme falsch war, die Stadt wächst und weit mehr als 40.000 Hallenserinnen und Hallenser in Sportvereinen aktiv sind. Die Sportflächen reichen dafür immer seltener aus. Den FC Halle-Neustadt, der im Zuge des Baus der Erdgas-Sportarena einen Fußballplatz aufgeben musste, trifft diese Entwicklung besonders hart, da er kein Vorrecht bei der Nutzung des Platzes im Stadion Neustadt und des Kunstrasenplatzes daneben hat. Das Training und die Heimspiele der dreizehn Mannschaften können daher nur stattfinden, wenn kein anderer Verein von der Stadtverwaltung den Zuschlag für die Platznutzung erhalten hat. Der FC Halle-Neustadt ist damit de facto ein Verein ohne feste Heimspielstätte. Um diesen Umstand zu ändern und für den FC Halle-Neustadt ein Vorrecht bei der Nutzung der Plätze vor der eigenen Vereinstür zu schaffen, bin ich bereits im Sportausschuss aktiv geworden.

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