Knockout für den Chemiepokal?

Am vergangenen Mittwoch hat der Sportausschuss beschlossen, den Chemiepokal auch im Jahr 2019 zu fördern. Sechs Tage später hat der Veranstalter, der Deutsche Boxsportverband, die 46. Auflage des Turniers nun abgesagt. Eine Veranstaltung, die seit 1970 die hallesche Sportlandschaft geprägt hat, ist damit – um in der Boxersprache zu bleiben – für dieses Jahr zu Boden gegangen. Doch ist die diesjährige Absage auch der endgültige Knockout für die mitteldeutsche Traditionsveranstaltung im Boxsport?

Paukenschlag per Pressemitteilung

Die Meldung über die Absage des diesjährigen Chemiepokals kam aus heiterem Himmel. Im für die Sportförderung zuständigen Ausschuss war noch in der letzten Woche nichts von Problemen rund um das Boxturnier zu hören. Heute erklärte der Deutsche Boxsportverband nun via Pressemitteilung die Absage. In der Begründung heißt es, dass der Verband durch die Politik des Landes „im wahrsten Sinne des Wortes im Stich gelassen“ worden sei. Dies habe dazu geführt, dass die gesamte „Finanzierung des Chemiepokals völlig offen“ gewesen sei. Die Tatsache, dass der Veranstalter vor diesem Hintergrund die Reißleine gezogen hat, ist verständlich.
Angesichts der Anstrengungen, die die Stadt in den letzten Jahren zur Sicherung des Chemiepokals unternommen hat, ist es aber schwer, nicht völlig fassungslos auf die Vorgänge auf der Landesebene zu blicken. Mit einer Erhöhung der Förderung und der Unterstützung bei der Rückkehr nach Halle-Neustadt hat die Kommunalpolitik klare Bekenntnisse für den halleschen Boxsport abgegeben. Dass diese Bemühungen nun durch das Handeln von Land und LOTTO Sachsen-Anhalt im Handstreich zerstört werden, wirft Fragen auf. Ich bin der Meinung, dass die Stadt nun möglichst schnell beim Land erfragen sollte, wie es aus dessen Sicht zu dieser Situation kommen konnte und was getan werden kann, um diese Probleme schnell abzustellen. Auch viele kleinere Sportveranstaltungen in Halle sind auf die Förderung aus dem Land angewiesen. Wenn nun schon ein nationaler Verband wie der Boxsportverband die schlechte Zusammenarbeit mit dem Land für die Absage seiner Veranstaltung verantwortlich macht, muss sichergestellt werden, dass nicht auch andere Veranstalter diesen Weg wählen müssen. Der halleschen Sportlandschaft würde sonst ein erheblicher Schaden drohen.

Wie weiter mit dem Chemiepokal?

Alle Bemühungen werden aber wohl nicht dazu führen, dass die 46. Auflage des Chemiepokals Anfang April in Halle-Neustadt stattfindet. Diese Messen sind leider gesungen. Nach 1991, wegen des Golfkrieges, und 2010, wegen finanzieller Probleme des alten Veranstalters, wird die Veranstaltung 2019 zum dritten Mal ausfallen.
Winston Churchill sagte einst, dass Erfolg heißt, immer einmal mehr aufzustehen als hinzufallen. Diese Weisheit, die oft in Verbindung mit dem Boxsport zitiert wird, muss nun auch für den Chemiepokal gelten. Im kommenden Jahr feiert der Chemiepokal seinen 50. Geburtstag. Dieses halbe Jahrhundert ist untrennbar mit der halleschen Boxgeschichte verbunden. Das Ziel muss sein, dass der Chemiepokal im kommenden Jahr wieder stattfinden kann. Der Stadtrat von Halle hat nie Zweifel daran aufkommen lassen, dass er zu dieser Traditionsveranstaltung steht. Darauf lässt sich aufbauen. Die Hauptaufgabe wird es nun aber sein, vor allem die Fördermittelgeber bei Land und LOTTO davon zu überzeugen, dass die hallesche Boxtradition weiterleben muss. Daran, wie gut es gelingt, diese Aufgabe umzusetzen, entscheidet sich, ob die diesjährige Absage nur ein schmerzlicher Niederschlag oder ein endgültiger Knockout ist.

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