Der Hufeisensee zwischen Wakeboarden und Badeverbot

Halle hat sich in den letzten Jahren an vielen Stellen verändert. Ein Ort, der sich besonders stark gewandelt hat, ist der Hufeisensee. Aus dem ehemaligen Tagebau ist längst eine der wichtigsten Erholungsorte in unserer Stadt geworden. Wo früher Braunkohle und Kies abgebaut wurden, tummeln sich bereits seit vielen Jahren Erholungssuchende, Freizeitsportler und Badegäste. Doch mit dem Wandel vom Tagebau zum See ist der Wandel am „Hufi“, wie er von Hallenserinnen und Hallensern genannt wird, noch nicht abgeschlossen. Seit 2014 hat die Dynamik der Entwicklung wieder Fahrt aufgenommen.

Vom Tagebau zum Erholungs- und Freizeitgebiet

Braucht Halle einen Golfplatz? Diese Frage musste der Stadtrat zu Beginn der Wahlperiode beantworten. Nach vielen Diskussionen im Jahr 2014 stimmte der Stadtrat letztendlich im März 2015 für einen Golfplatz am Hufeisensee. Nicht viele Debatten wurden in den letzten vier Jahren so kontrovers geführt, wie diese. Da beide Seiten gute Argumente hatten, war das nachvollziehbar. Die Befürworter des Projektes sahen in der Schaffung des Golfplatzes durch einen Investor den Startschuss, um den Hufeisensee zu entwicklen und auch über den Golfplatz hinaus Freizeitangebote für viele Hallenserinnen und Hallenser zu schaffen. Der Golfplatz sollte die Initialzündung für eine Belebung des Hufeisensee sein. Die Gegner befürchteten, dass mit dem Verkauf der Flächen an den Investor eine Privatisierung des Hufeisensees erfolgen könnte. Sie bezweifelten, dass diese Initialzündung wirklich allen Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt zugute kommen würde. Am Ende fand sich eine knappe Mehrheit auf Seiten der Befürworter. Im August 2016 wurde der Golfplatz eröffnet. Heute, mehr als drei Jahre nach der Entscheidung im Stadtrat zeigt sich, dass die Erwartungen der Befürworter erfüllt wurden. Der Golfplatz hat nicht zur Privatisierung des Hufeisensees geführt. Inzwischen sind viele Angebote im Zuge des Golfplatzes entstanden, die sich nicht nur an Golferinnen und Golfer richten. Es wurden zum Beispiel ein Strand für Sonnenanbeter, ein Fußballgolfplatz für Freizeitkicker und ein Rundweg für Spaziergänger, Läufer und Radfahrer geschaffen. Das Areal am westlichen Ufer des Hufeisensees ist mittlerweile mehr als ein Golfplatz. Aus dem ehemaligen Tagebaugebiet am westlichen Ufer ist eine Fläche geworden, die von allen Hallenserinnen und Hallensern zur Erholung und zur Freizeitgestaltung genutzt werden kann.

Wie weiter am Hufeisensee?

Nun, zum Ende der Wahlperiode, steht der Hufeisensee erneut im Zentrum einer Debatte im Stadtrat. Die Frage ist nun, ob und wie die Entwicklung weitergeführt werden soll. Der Erfolg der bisherigen Bemühungen zeigt, welches Potential im Hufeisensee steckt. Doch soll dieses Potential auch voll ausgeschöpft werden oder sollen die noch unberührten Flächen am Westufer in ihrem jetzigen Zustand erhalten bleiben? Beide Ansichten haben ihren Reiz. Die Lust, die weiteren Potentiale auszuschöpfen ist bei allen Beteiligten vor Ort groß. Der Lohn solcher Bemühungen wäre, dass die unterschiedlichen Angebote am Hufeisensee künftig noch mehr Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt ansprechen würden. Das Ziel, aus dem Hufeisensee ein Erholungs- und Freizeitgebiet für die gesamte Stadt zu machen, würde weiter vorangetrieben werden. Doch um welchen Preis? Ein Ausbau der Angebote in diesem Bereich des Sees würde zwangsläufig auch zu Eingriffen in bisher naturbelassene Flächen führen. Bemessen an der Gesamtfläche der noch naturbelassenen Areale rund um das Ufer des gesamten Sees, mag der betroffene Bereich zwar marginal sein, eine Abwägung ist hier aber trotzdem ebenso nötig wie sinnvoll.

Wakeboard – Trendsportart mit Potential

In der Mitteldeutschen Zeitung hat der Oberbürgermeister angekündigt, dass er bei der Frage der weiteren Entwicklung nicht festgelegt ist und bezüglich einer Ausweitung der wassersportlichen Angebote für alle Argumente offen ist. Bei einer entsprechenden Abstimmung auf der Seite der MZ findet sich derzeit eine Mehrheit für die Schaffung neuer Sportangebote auf dem See. Doch welche Angebote sind konkret gemeint? Die Frage, ob die Stadt auf dem Hufeisensee mehr Wassersport zulassen soll, ist sehr vage. Bisher gibt es lediglich konkrete Pläne für ein neues Wassersportangebot. Ein Investor möchte unweit des Golfplatzes und des geplanten Ausbildungszentrums für die Sport- und Rettungstaucher des Roten Kreuzes eine Wakeboard-Anlage errichten. Bereits im November 2017 haben die Investoren im nicht-öffentlichen Teil des Planungsausschusses erstmals umfassend über ihre Vorstellungen informiert. Da ich leider nicht aus Sitzungsteilen berichten darf, von denen die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde, muss ich meine Ausführungen zum Projekt an dieser Stelle leider auf ein Minimum beschränken. Es bleibt zu hoffen, dass die Pläne möglichst schnell auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Nur so lässt sich aus meiner Sicht mit allen Beteiligten, Betroffenen und Interessierten sinnvoll über das Für und Wider des Projektes diskutieren. Derzeit existieren in Deutschland etwa siebzig Wakeboard-Anlagen. Seitdem Wakeboarden im Jahr 2011 vom Internationalen Olympischen Komittee auf die Liste der möglichen neuen Sportarten für die Olympischen Spiele aufgenommen wurde, erfreut es eines regen Zulaufs. Auch die Tatsache, dass Wakeboarden im Jahr 2020 doch nicht Bestandteil der Olympiade in Tokio sein wird, hat der steigenden Popularität nicht geschadet. Wakeboarden ist eine Trendsportart. Eine Wakeboard-Anlage hätte einige Vorteile. Sie würde nicht nur eine Aufwertung der Angebote am See mit sich bringen, da sie auch Freizeitaktivitäten für alle bietet, die nicht mit Golfball und Schläger um den See ziehen wollen. Bereits bei vielen anderen Wakeboard-Anlagen in Deutschland zeigt sich, dass rund um die Anlage herum zusätzliche Möglichkeiten der Freizeitgestaltung für die verschiedene Altersgruppen entstehen, die nicht nur von den Wartenden genutzt werden. Beachvolleyballfelder sind dabei ebenso denkbar wie Lufttrampoline. Darüber hinaus ist der Eingriff aus meiner Sicht im Vergleich zum Nutzen durchaus angemessen. Das Wakeboarden selbst findet auf dem See statt, die Masten und Anker für die Zugseile lassen sich mit geringen Eingriffen installieren. Obgleich in den derzeit noch naturbelassenen Uferbereich eingegriffen werden müsste, könnten diese Eingriffe damit auf ein Minimum reduziert werden. Die Eingriffe wären darüber hinaus räumlich begrenzt, da die Wakeboard-Anlage nicht das gesamte Ufer sondern nur einen kleinen Abschnitt umfassen würde. Zudem sind die Anlagen selbst elektrisch betrieben und dadurch geräuscharm. Gerade die umliegende Tierwelt würde dadurch nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Auch auf die Wasserqualität könnte eine Wakeboard-Anlage positive Auswirkungen haben. Das Wasser am Hufeisensee leidet unter eine schlechten Sauerstoffsättigung. Die fahrenden Wakeboards würden die Wasserschichten in Bewegung bringen und so zwangsläufig auch mehr Sauerstoff in den See bringen. Die Errichtung einer Wakeboard-Anlage ist damit der erste konkrete Vorschlag zur Ausweitung der Wassersportangebote auf dem See. Aus meiner Sicht hat diese mögliche Investition viel Charme und bringt einige Vorteile mit sich.

Badeverbot als Gretchenfrage

Es wird nötig sein, die Diskussionen über die weiteren Pläne für den Hufeisensee in den Gremien des Stadtrates zu diskutieren. Dort ist der richtige Ort, um mit den Fachleuten aus der Verwaltung über die Auswirkungen der Ausweitung der Angebote am Hufeisensee zu sprechen. Dort muss erörtert werden, ob und wie eine Wakeboard-Anlage geschaffen werden kann. Alle Fragen, die die Zukunft des Hufeisensees betreffen, werden aber auch eng mit dem weiteren Umgang mit dem Badeverbot am See einhergehen. Vor allem in den Wintermonaten kommt es in der Seemitte zu einer Überschreitung des Grenzwertes für den krebserregenden Stoff Vinylchlorid. Daher wird der See nicht als offizielles Badegewässer ausgewiesen. Ob dieser Umstand wirklich ein ganzjähriges Badeverbot rechtfertigt, muss dringend noch einmal überdacht werden. Das Badeverbot ist für die zukünftige Entwicklung des Sees längst zur Gretchenfrage geworden. Aus meiner Sicht wäre ein zeitlich und räumlich begrenztes Badeverbot angemessener und sinnvoller. Als offizielles Badegewässer würde der Hufeisensee mit einem Schlag mehr an Attraktivität gewinnen, als durch alle die angedachten und möglichen Investitionen in neue Freizeitangebote.

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