Der Eisdom – Meine Lieblingsorte in Halle

Gestern hat die schönste Zeit im halleschen Eissport begonnen. Es ist wieder Playoff-Zeit beim Eishockey. Die Saale Bulls sind leider mit einer Niederlage in die erste Playoff-Runde gegen Regensburg gestartet. Ab jetzt entscheidet sich das Wohl und Wehe der gesamten Saison von Spiel zu Spiel. Jede Niederlage kann alle bisherigen Erfolge in der Saison belanglos werden lassen, jeder Sieg bringt die gesamte Mannschaft dem ersehnten Aufstieg näher. „Alles oder nichts“ ist die Devise. Diese faszinierende Spannung war auch gestern Abend wieder in der Heimstätte der Saale Bulls, dem Eisdom, zu spüren. Diese Stimmung reißt mit und ist der Grund dafür, dass ich mehrmals im Monat Gast im Eisdom bin und er zu meinen Lieblingsorten in Halle-Neustadt gehört.

60 Jahre Eissport in Halle

Ein weiterer Grund ist die sportliche Tradition und die Geschichte, die der Eissport in Halle hinter sich hat. Halle-Neustadt und der hallesche Eissport sind eng miteinander verknüpft. Bereits seit 1958 existierte in Halle eine Eisbahn. Im Jahr 1968 wurde am Gimritzer Damm die erste hallesche Eissporthalle eröffnet. Die Halle auf dem Fest- und Rummelplatz war seitdem das Epizentrum des Kufensports in unserer Stadt. Die Bandbreite der eissportlichen Angebote ging dabei weit über das bloße Zuschauen hinaus. In vielen Gesprächen in Halle-Neustadt treffe ich auch heute noch ältere Menschen, die berichten, dass sie als Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Sportunterrichts in der Halle das Eislaufen gelernt haben. Die im Unterricht erlernten Fähigkeiten auf dem Eis konnten dann beim öffentlichen Eislaufen oder bei der abendlichen Eisdisco perfektioniert werden. Wer die Schlittschuhe nicht nur zum Spaß tragen wollte, der konnte sich bereits damals im Eiskunstlauf oder beim Eishockey auch (leistungs-) sportlich betätigen. All diese Angebote existieren auch heute noch und werden von vielen Hallenserinnen und Hallensern genutzt. Seit nunmehr 60 Jahren ist der Eissport in Halle eine feste Größe. Selbstverständlich ist das nicht.

Von der Eissporthalle über das Eiszelt …

Vor allem in unseren Breitengraden ist der Eissport keine Selbstverständlichkeit. Zwar besitzt in Deutschland jede Großstadt mit Ausnahme von Leipzig eine Eissporthalle, der Betrieb ist aber mit einigen Herausforderungen verbunden. Seit dem Bau der Eissporthalle hat so auch der Kufensport in Halle viele Umbrüche und Diskussionen mitgemacht. Eine Vereinsinsolvenz, die mehrjährige Schließung der Halle in den 1990ern, viele Diskussionen um die Höhe der Betriebskosten oder die Frage nach der Notwendigkeit einer Eissporthalle waren dabei nur einige Punkte. Keine dieser Herausforderungen war aber so prägend wie das Hochwasser 2013. Im Juni 2013 war es mehr als fraglich, wie es mit dem halleschen Eissport weitergeht. Ich habe damals gemeinsam mit vielen anderen Fans der Saale Bulls und unzähligen freiwilligen Helferinnen und Helfern mehrere Stunden Sandsäcke rund um die Eissporthalle befüllt und gestapelt, um die Halle vor der Überflutung zu bewahren. Den Moment, als klar war, dass der steigende Pegel der Saale auch vor unserem Wall aus Sandsäcken nicht Halt machen wird, haben viele auch als persönliche Niederlage aufgefasst. Die Stimmung war gedrückt, die Zukunft des Eissports fraglich. Dieses Erlebnis hat sich bei mir sehr stark eingeprägt. Die alte Eissporthalle hatte im Jahr 2013 mehr als 40 Jahre nach ihrer Errichtung die besten Tage schon lange hinter sich. Der Beton bröckelte, der Putz war ab und energetisch betrachtet war die Halle eine Katastrophe. Immer öfter gab es daher schon seit Beginn der 2010er Jahre Diskussionen um eine grundlegende Sanierung oder einen Neubau. Abwechselnd fehlte es aber immer wieder entweder am Willen oder an den finanziellen Möglichkeiten, um die Überlegungen umzusetzen. Ende Juni 2013 war klar, dass das Wasser der Saale der halleschen Eissporthalle einen Schaden zugefügt hatte, der eine Nutzung der Halle zum Beginn der Eishockey-Saison im September unmöglich machte. Eine Lösung musste nun dringend her. Um die Fortführung von Eishockey und Eiskunstlauf sicherzustellen, schlug die Stadt innerhalb weniger Wochen im wahrsten Sinne des Wortes die Zelte des Eissports in Halle-Bruckdorf auf. Die Zeit im Eiszelt auf der – von Halle-Neustadt aus gesehen – anderen Seite der Stadt war geprägt von Provisorien und Notlösungen und ich glaube, dass alle Beteiligten froh waren, dass das Eiszelt nach einer Eissaison wieder Geschichte war. Doch bevor das Zelt wieder abgebaut werden konnte, musste erst einmal ein neuer Standort für die neue Halle her.

… in den Eisdom

Ich habe mich sehr gefreut, dass ich 2014 als frisch gewählter Stadtrat an der Standortentscheidung mitwirken konnte. Die Verwaltung hatte vorab mehrere Varianten geprüft, ein Grundstück an der Delitzscher Straße und das Areal zwischen der Selkestraße und der Begonienstraße in Halle-Neustadt erhielten die meisten Punkte. Ich war glücklich darüber, dass sich am Ende eine breite Mehrheit dafür gefunden hat, dem Eissport wieder eine Heimstätte in Halle-Neustadt zu geben. Am 29.09.2014 wurde die neue hallesche Eissporthalle unter dem Namen „Eisdom“ eröffnet. Nachdem der Stadtrat Ende 2014 den Grundsatzbeschluss zum Ausbau des Eisdoms gefasst hat, wird der Eisdom nun in den nächsten Jahren zu einer vollwertigen Eissporthalle werden, während die alte Eissporthalle im Jahr 2016 abgerissen wurde. Bis 2021 wird die Zuschauerkapazität von 1.500 auf 3.300 Plätze erweitert, die Eisanlage wird erneuert und die Kabinen- und Sanitärbereiche ersetzen die Container vor der Halle. Bereits vor dem Ausbau haben die Zuschauerzahlen bei Heimspielen der Saale Bulls, die Anmeldungen von Kinder und Jugendlichen bei den Eissportvereinen und die Nutzerzahlen des öffentlichen Eislaufens eine beeindruckende Höhe erreicht. Die Angebote im Eisdom werden von den Hallenserinnen und Hallensern aber auch von Menschen aus dem Umland sehr gut angenommen. Ich bin gespannt, wie sich diese Zahlen nach dem fertigen Ausbau weiterentwickeln.

Ein Symbol für die Stadtentwicklung in Halle-Neustadt

Ein weiterer Grund dafür, dass der Eisdom einer meiner Lieblingsorte in Halle-Neustadt ist, hat wenig mit dem Sport zu tun. Für mich ist der neue Eisdom auch ein tolles Symbol für die Stadtentwicklung in Halle-Neustadt. Lange hatte Halle-Neustadt den Ruf einer sozialistischen Großwohnsiedlung, in der sich nicht viel tut. Markante Entwicklungen in den letzten zwanzig Jahren wie der Bau des Neustadt-Centrums oder die Verlängerung der Straßenbahn über die Saale auf die Westseite der Stadt widerlegen dieses Vorurteil aber deutlich. Auch die Wohnbebauung hat sich stark verändert. Das großflächige Abreißen von Wohnblöcken gehört der Vergangenheit an. Mittlerweile haben in fast jedem Wohnkomplex schon Sanierungen und Modernisierungen stattgefunden, werden derzeit durchgeführt oder sind in Planung. Die Tatsache, dass der Eissport sein Zuhause nun wieder in Halle-Neustadt hat, steht aus meiner Sicht symbolisch für einen Stadtteil, der sich verändert, erneuert und seine Zukunft gestaltet. Nach dem Bau der Erdgas-Sportarena in der Nietlebener Straße ist der Neubau des Eisdoms das zweite sportliche Großprojekt in Halle-Neustadt innerhalb weniger Jahre. Solche Projekte unterstützen nicht nur die positive Entwicklung von Halle-Neustadt, sondern zeigen auch, dass die Angst, Halle-Neustadt würde gegenüber dem Rest unserer Stadt abgehängt werden, unbegründet ist. Wieso sollte sonst die einzige Eissporthalle von Sachsen-Anhalt ausgerechnet in Halle-Neustadt stehen?

Gute Zukunftsaussichten – vielleicht auch wieder mit dem Chemiepokal?

Ich bin gespannt, welche Entwicklungen der Eissport in Halle noch vor sich hat. Wenn der geplante Ausbau des Eisdoms abgeschlossen ist, werden Nachwuchssportler, Hobbyläufer und Profispieler bessere Bedingungen für den Kufensport vorfinden, als das in der alten Eissporthalle der Fall war. Da der Eisdom auch nach dem Ausbau in städtischer Hand bleiben wird, hat die Stadt alle Möglichkeiten, um die Verteilung der Eiszeiten so zu gestalten, dass der Eisdom auch weiterhin die meistgenutzte städtische Sportstätte bleibt. Spannend wird aus meiner Sicht, wie sich die Sommernutzung im Eisdom entwickelt. Seit 1970 fand in der alten Eissporthalle der Chemiepokal statt. Bei diesem renommierten Boxturnier konnten sich unter anderem Henry Maske und Vitali Klitschko in die Siegerlisten eintragen. Nach vielen Jahren im Maritim ist die Veranstaltung vor zwei Jahren nach Halle-Neustadt zurückgekehrt und wird nun in der Erdgas-Sportarena ausgetragen. Die Idee, dieses Turnier nach dem Ende der Eissaison wieder im Eisdom, also in unserer neuen Eissporthalle, auszutragen, finde ich super. Der Eisdom scheint also unabhängig von der Jahreszeit eine rosige Zukunft vor sich zu haben. Ich werde daher wahrscheinlich auch in Zukunft regelmäßiger Gast sein, auch wenn es mir für das Eislaufen an Talent, Koordination und technischen Fähigkeiten fehlt.

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