Kinder und Jugendliche, Integration, Inklusion, Bürokratieabbau, … – Was die SPD künftig im Sport in Halle besonders fördern will

Kommunalpolitisches Richtlinien sind ein trockenes Thema. Sie sind abstrakte Verwaltungsvorschriften, die das Ziel haben, möglichst viele Fälle eines Themengebietes umfassend zu regeln. Wie groß die Bedeutung von Richtlinien für die Entwicklung unserer Stadt ist, merkt man aber gerade besonders bei Neufassung der Richtlinie zur Förderung des Sports in unserer Stadt. Auf den ersten Blick ist diese Richtlinie eine Ansammlung von Vorschriften zur Fördermittelvergabe an Sportvereine in reinstem Verwaltungsdeutsch. Auf den zweiten Blick wird diese Richtlinie nach ihrer Neufassung hoffentlich der Garant dafür sein, dass sich die hallesche Sportlandschaft auch weiterhin gut entwickeln kann.

40.000 Sportlerinnen und Sportler, 200 Vereine – und einige Herausforderungen

Über 40.000 Hallenserinnen und Hallenser sind derzeit in etwa 200 Sportvereinen aktiv. Die Palette reicht von A wie Aerobic-Stützpunkt Halle bis Z wie Zentrum für Zirkus und bewegtes Lernen. Bisher ist mir noch keine Sportart untergekommen, die man in Halle nicht betreiben kann – ausgenommen der Wintersportarten wie Skispringen, Ski Alpin oder Bobfahren natürlich. Die Vereins- und Trainingsstätten sind über das gesamte Stadtgebiet nahezu gleichmäßig verteilt, auch wenn Halle-Neustadt als größter Stadtteil auch die größte Dichte an Sportvereinen aufweisen kann. Der überwiegende Teil der Arbeit in den Vereinen basiert auf ehrenamtlichem Engagement. Die Vorstandsmitglieder, Abteilungsleiterinnen und -leiter und die Trainerinnen und Trainer bilden das Rückgrat der halleschen Sportlandschaft. Trotz der beeindruckenden Zahlen und der sportlichen Vielfalt, stehen aber auch die halleschen Sportvereine vor großen Herausforderungen. Der Sanierungsstau bei den Sportstätten und das Problem der steigenden Betriebskosten, die auf die Vereinshaushalte drücken, sind dabei nur zwei Aspekte, die mitunter auch zu einem Anstieg der Mitgliedsbeiträge führen. Obgleich die Zahl von über 40.000 Mitgliedern beeindruckend klingt, liegt sie doch im Vergleich zur Einwohnerzahl sowohl landes- als auch bundesweit unter dem Durchschnitt. Der demographische Wandel ist auch im Bereich der Sports spürbar. Das nehme ich immer wieder bei den Besuchen bei halleschen Sportvereinen wahr, die wir nicht zuletzt im Rahmen unserer Quartiersbesuche als SPD-Fraktion Stadt Halle (Saale) durchführen.

Förderung mit guter Begründung und maximalem Nutzen

Dass Politik hier gerade aufgrund der vielen positiven Effekte, die Sport im sozialen, integrativen und gesundheitlichen Bereich hat, helfen muss, ist für mich klar. Aber wie? Die einfachste Antwort wäre, die Förderung, die die Vereine aktuell erhalten einfach aufzustocken. Durch die Erhöhung der Sportförderung, die derzeit für elf Fördertatbestände gewährt wird, wären sicherlich positive Effekte zu erzielen. So einfach ist das aber leider nicht. Halle ist weit davon entfernt, eine reiche Stadt zu sein. Die finanzielle Situation des städtischen Haushaltes lässt keine großen Sprünge zu. Die Frage ist auch nicht – obwohl das manchmal gänzlich anders dargestellt wird-, ob der hallesche Sport mehr Geld erhält oder das Geld auf dem Marktplatz verbrannt wird. Als freiwillige Aufgabe der Stadt konkurriert der Sport mit vielen anderen wichtigen Aufgabenfeldern der Kommunalpolitik. Die Sanierung von Schulen und Kitas, die Förderung der halleschen Kultur, die Kinder- und Jugendarbeit oder die Pflege von Grünflächen sind nur einige davon. Wer für einen dieser Politikbereiche mehr Geld möchte, der muss das nicht nur gut begründen können, sondern auch sagen, auf welche Weise das Geld so verteilt werden soll, dass es seinen maximalen Nutzen entfaltet.

Vom Sportprogramm zu den Eckpunkten der neuen halleschen Sportförderung

Politik und Verwaltung waren sich spätestens mit der Verabschiedung des Sportprogrammes (siehe dazu auch der Beitrag vom 26.06.2016 auf dieser Seite) einig, dass das mit der alten Richtlinie zur Förderung des halleschen Sports nicht mehr möglich ist. Neue Ideen und Kriterien müssen her. Die SPD-Fraktion Stadt Halle (Saale) hat im Rahmen der Beratungen insgesamt drei sehr gut besuchte Veranstaltungen mit den halleschen Sportvereinen zur Sportförderung durchgeführt. Die Vertreterinnen und Vertreter der Vereine sind die unumstrittenen Expertinnen und Experten in Sachen Sportförderungen. Sie wissen, was sie brauchen, wo der Schuh drückt und wo Verbesserungen notwendig sind. Genau diese unzähligen Vorschläge und dieses Fachwissen haben wir zur Grundlage unserer Forderungen für die neue Förderung des halleschen Sports gemacht. Unsere Ziele sind dabei mit der Förderung von Kindern und Jugendlichen, der Integration und Inklusion und der Unterstützung ehrenamtlichen Engagements Aspekte, die auch in vielen anderen kommunalen Politikfeldern eine wichtige Rolle spielen:

  • Keine finanziellen Nachteile durch Überarbeitung der Sportförderung
    Viele Vereine arbeiten derzeit bereits am finanziellen Limit. Vor allem bei ihnen bestand die Befürchtung, dass sie mit einer Neufassung der Richtlinie Fördermittel verlieren könnten. Wir werden sicherstellen, dass jeder Verein in Zukunft zumindest die Förderung erhält, die er derzeit nach der alten Richtlinie erhält. Diese Planungssicherheit ist aus unserer Sicht der Grundstein dafür, dass sich jeder Verein weiterentwickeln kann.

 

  • Förderung für Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
    Bei jeder Förderung, die über die jetzige Höhe hinausgeht, soll es zukünftig neue Förderungskriterien geben. Eine besondere Rolle spielt für uns dabei die Berücksichtigung der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Wer sich besonders um die Zielgruppe bemüht, soll ab dem nächsten Jahr stärker gefördert werden. Die Mitgliedschaft von jungen Menschen in Sportvereinen ist eine gewinnbringende Situation für beide Seiten. Gerade Mannschaftssportarten haben nachgewiesenermaßen besonders bei der Ausbildung von sozialen Kompetenzen positive Auswirkungen. Gleichzeitig sichern junge Mitglieder die Zukunftsfähigkeit der Sportvereine ab. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bringt trotzdem einen erheblichen Aufwand mit sich. Vereine, die diesen Aufwand leisten, wollen wir bei der Förderung stärker als bisher berücksichtigen. Gleichzeitig schaffen wir so auch für viele Vereine einen Anreiz, sich zukünftig verstärkt um junge Mitglieder zu bemühen. Mit den zusätzlichen finanziellen Mitteln können die Vereine unter anderem auch künftig sicherstellen, dass die Mitgliedsbeiträge für Kinder und Jugendliche stabil und bezahlbar bleiben und so jedem jungen Menschen die Mitgliedschaft in einem Sportverein möglich ist.

 

  • Unterstützung für Inklusions- und Integrationsangebote
    Genauso wichtig ist die Bemühung um Inklusion und Integration. Für ein gutes Miteinander und einen ausgeprägten gesellschaftlichen Zusammenhalt müssen Menschen, die bisher passiv am Rand der Stadtbevölkerung stehen, eingebunden werden. Sportvereine sind als einer der Dreh- und Angelpunkte der Zivilgesellschaft ein wichtiger Ort, an dem das geschehen kann und muss. Diese Aufgabe ist aber mit einem ebenso hohen Aufwand wie die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verbunden. Auch dieses Engagement soll daher bei der Verteilung der zusätzlichen Mittel berücksichtigt werden. So werden auch für diese Personengruppen stabile und bezahlbare Mitgliedsbeiträge ermöglicht.

 

  • Gleichstellung aller Sportvereine
    Bisher wurden nicht alle Sportvereine gleich behandelt. Während Sportvereine, die städtische Sportstätten nutzen, einen Betriebskostenzuschuss erhalten, gab es diese Möglichkeit bisher für Vereine, die sich bei Dritten einmieten, nicht. Ungerecht war diese Regelung gerade, weil die Stadt nicht genug Sportstätten für alle halleschen Vereine vorhält und so manche Vereine schlicht und einfach gezwungen sind, sich bei Dritten einzumieten. Zukünftig wollen wir diese Ungleichbehandlung beenden. Jeder Verein, dem Betriebskosten anfallen, soll von der Stadt auch einen Zuschuss erhalten. Sportvereine, die bei Dritten eingemietet sind, können ihre knappen finanziellen Mittel damit künftig verstärkt in die sportliche Arbeit an sich investieren.

 

  • Weniger Verwaltungsaufwand für die Sportvereine
    Wer Fördermittel vergibt, muss Ordnung halten. Dieser notwendige Verwaltungsaufwand macht einem komplett ehrenamtlich arbeitenden Verein aber zu schaffen. Wir wollen daher den Verwaltungsaufwand reduzieren. Die bisher elf verschiedenen Fördertöpfe sollen vereinfacht und künftig in vier Fördertatbeständen zusammengefasst werden. Die Förderung wird dadurch übersichtlicher, nachvollziehbarer und der Aufwand, der durch viele unterschiedliche Antragsstellungen bisher entstanden ist, wird auf das notwendige Maß reduziert.

Ziel: Beratung im März, Beschluss bis zum Juni

Die SPD-Fraktion Stadt Halle (Saale) wird in der Sitzung des Sportausschusses im März einen entsprechenden Antrag einbringen. Bereits jetzt haben die anderen Fraktionen aus dem halleschen Stadtrat zumindest ihre grundsätzliche Zustimmung erklärt. Die CDU/FDP-Fraktion ist dem von uns initiierten Antrag bereits beigetreten. Auch der Stadtsportbund Halle hat als Dachverband aller hallescher Sportvereine deutlich gemacht, dass er die von uns eingebrachten für sinnvoll und zielführend hält.

Obwohl Richtlinien immer ein abstraktes Thema sind, haben sich glücklicherweise in diesem Fall viele sportinteressierte Bürgerinnen und Bürger mit unserem Anliegen auseinandergesetzt und uns Rückmeldungen gegeben, die wir in der Erarbeitung unserer Vorstellungen für die zukünftige Sportförderung berücksichtigt haben. Das hilft am Ende nicht nur unserer Arbeit im Stadtrat. Diese Ideen werden, wenn sie bei der Beschlussfassung zur neuen Sportförderrichtlinie eine Mehrheit finden, die Grundlage für den Umgang mit den Herausforderungen und für die Förderung der Entwicklung des halleschen Sports bilden. Bis zum Juni 2018 soll die neue Richtlinie zur Förderung des Sports beschlossen werden. Dieser Zeitplan ist ambitioniert, würde aber sicherstellen, dass die Verbesserungen für die Arbeit der Sportvereine bereits im nächsten Jahr greifen.

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