Das Frösche-Fußballcamp – Im Ehrenamt aus der Region für die Region

Bei vielen Gesprächen mit Menschen in Halle-Neustadt geht es um die großen und kleinen Problem in unserer Stadt. Sehr überraschend sind manchmal die Ursachen, die manche Leute für die Probleme verantwortlich machen. Ab und an wird auch die „Jugend von heute“ als eine dieser Ursachen genannt. Das Bild, das in solchen Fällen von den jungen Menschen in unserem Land gezeichnet wird, hat aus meiner Sicht nicht viel mit der Realität zu tun. Ich habe nicht das Gefühl, dass junge Menschen allesamt faul sind, sich für nichts interessieren und ihnen alles, was um sie herum passiert, egal ist. Bei verschiedenen Anlässen sehe ich mich in dieser Ansicht auch immer wieder bestätigt. Erst in dieser Woche war ich zu Gast bei einem Fußballcamp, dass von vier jungen Fußballtrainern ehrenamtlich organisiert und durchgeführt wird. Auf das Frösche-Fußballcamp hat mich mein Freund Christian Ignorek aufmerksam gemacht. Er ist nicht nur der Mann zwischen den Pfosten der Oberliga-Elf des VfL Halle 96, sondern seit September auch Mitglied in der SPD. Durch seine Erfahrungen im Sport hat er ein gutes Auge für besondere Projekte, die Unterstützung verdienen.

Vier Vereine, vier Trainer, ein Frösche-Fußballcamp

Auf den ersten Blick ist das Frösche-Fußballcamp ein Fußballcamp wie jedes andere. In den Ferien bekommen Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, an ihren fußballerischen Fähigkeiten zu arbeiten und werden dabei von lizensierten Trainern angeleitet. Auch der Ablauf des Camps ist nicht außergewöhnlich. Der Vormittag soll der Grundlagenvermittlung dienen und die technischen Fähigkeiten stärken, während der Nachmittag vor allem für Spiele, Teambuildingmaßnahmen und die praktische Anwendung der vorher erlernten Fähigkeiten genutzt wird. Schaut man genauer hin, merkt man aber schnell, dass dieses Fußballcamp alles andere als normal ist. Das beginnt schon bei den Übungsleitern. Florian, Georg, Marwin und Yannick sind weit unter 30 Jahre alt, haben trotzdem schon Erfahrungen als Trainer gesammelt und organisieren das gesamte Camp ehrenamtlich selbst. Von der Planung, über die Werbung bis zur Durchführung liegt die gesamte Verantwortung in ihren Händen. Außerdem sind die vier Übungsleiter Mitglieder unterschiedlicher hallescher Sportvereine. Das Frösche-Fußballcamp ist damit ein gemeinsames Projekt von Fußballtrainern vom FC Halle-Neustadt, der SG Buna Halle, Blau-Weiß Dölau und Motor Halle. Das ist ungewöhnlich, da solche Camps in der Regel nur von einem Verein organisiert werden. Den vier Verantwortlichen war das Durchführen eines Fußballcamps für Kinder aber wichtiger als die Vereinszugehörigkeit. So konnte dieses besondere Projekt erst möglich werden. Der Erfolg gibt ihnen dabei recht.

Bereits bei der zweiten Auflage mehr Anmeldungen als freie Plätze

Bereits zum zweiten Mal fand das Frösche-Fußballcamp in dieser Woche statt. Nachdem bei der Premiere im Sommer 2017 bereits 20 Kinder gemeinsam mit den Trainern an ihren fußballerischen Fähigkeiten gearbeitet haben, waren in dieser Woche zwischen Montag und Mittwoch 25 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren beim Camp dabei. Da das Wintercamp in der Sporthalle der SG Buna Halle in der Lilienstraße stattfand und die Platzkapazitäten dadurch eingeschränkt waren, war die Teilnehmerzahl begrenzt. Die Zahl der Anmeldungen war allerdings bereits bei der zweiten Auflage des Camps höher als die Zahl der freien Plätze. Dieser Zulauf bestätigt die Qualität des Angebotes, für das vor allem in den verschiedenen Vereinen, über Mundpropaganda und die Webseite fupa.net geworben wurde. Im Sommer sollen 30 Kinder die Möglichkeit zur Teilnahme bekommen. Perspektivisch wollen die Organisatoren das Frösche-Fußballcamp dreimal im Jahr ausrichten. Austragungsort sollen in den wärmeren Jahreszeiten immer abwechselnd die Plätze der Vereine sein, in denen die vier Organisatoren Mitglied sind.

Ziel: Jedem Kind die Teilnahme möglich machen

Die Zielsetzung für die Verstetigung des Frösche-Fußballcamps ist klar. Unter dem Motto „aus der Region für die Region“ wollen die vier Organisatoren Kindern unabhängig vom Einkommen der Eltern, der Herkunft, der Vereinszugehörigkeit oder dem Fähigkeitslevel die Teilnahme an einem Fußballcamp ermöglichen. Im Grunde soll jedes fußballbegeisterte Kind am Camp teilnehmen können. Diese Mischung aus einer sportlichen und einer sozialen Zielsetzung gefällt mir sehr gut. Der Teilnahmebeitrag beträgt 69,99 €. Das Frösche-Fußballcamp ist damit wohl das günstigste Fußballcamp in Halle. Der Beitrag kann so niedrig gehalten werden, weil mit ihm ausschließlich die entstandenen Kosten auf die Teilnehmer umgelegt werden und diese so nur die Kosten tragen müssen, die tatsächlich anfallen. Diese Kosten entstehen vor allem durch die Bereitstellung von Trikot, Hose und Stutzen für die Teilnehmer. Darüber hinaus erhalten die Teilnehmer während des dreitägigen Camps auch eine umfangreiche Verpflegung in Form von Obst- und Gemüsesnacks, einem Mittagessen und Getränken. Bälle, Trainingsutensilien und der Austragungsort werden von den beteiligten Vereinen zur Verfügung gestellt. Da aber auch der Trainings- und Spielbetrieb der vier Vereine während des dreitägigen Camps weiterläuft, kann es hier unter Umständen zu Problemen kommen. In vielen halleschen Vereinen ist die Ausstattung mit Bällen und Trainingsmaterialien für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eher dürftig. Mit eigenen Bällen und anderen Materialien für das Frösche-Fußballcamp könnten diese Probleme vermieden werden. Da solche Anschaffungen aber derzeit zu einer Erhöhung des Teilnahmebeitrages führen würden, haben die vier Organisatoren bisher davon abgesehen.

Ehrenamtliches Engagement, das Unterstützung verdient

Das Frösche-Fußballcamp ist ein niedrigschwelliges Angebot für fußballinteressierte Kinder, das vor allem vom Einsatz und dem ehrenamtlichen Engagement der Trainer lebt. Bisher findet das gesamte Camp ohne Spenden, Förderungen oder Sponsoring statt. Wie die vier Verantwortlichen die Planung und Durchführung vor diesem Hintergrund gemeistert haben, verdient großen Respekt. Trotzdem finde ich, dass dieses Projekt Unterstützung verdient hat. Mit einer Förderung des Frösche-Fußballcamps würde nicht nur das ehrenamtliche Engagement von Florian, Georg, Marwin und Yannick gewürdigt werden. Es bestünde dadurch auch die Möglichkeit, die materielle Ausstattung des Camps zu verbessern oder den Teilnahmebeitrag zu senken. Beide Möglichkeiten würden dem sportlichen bzw. dem sozialen Gedanken hinter dem Frösche-Fußballcamp Rechnung tragen. Ich werde in den nächsten Wochen an verschiedenen Stellen Werbung für das Frösche-Fußballcamp machen. Ein von vier jungen Menschen ehrenamtlich organisiertes Fußballcamp für Kinder und Jugendliche steht unserer Stadt gut zu Gesicht und ich hoffe, dass auch potentielle Spender und Sponsoren das so sehen. Außerdem widerlegt eine solche Veranstaltung auch so manche Vorurteile, die gegenüber der „Jugend von heute“ bestehen.

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