Der lange Weg zur Ehrung der halleschen Olympiasieger

Ehrungen sind immer eine schwierige Angelegenheit. Sie sollen angemessen sein, gut sichtbar und selbstverständlich sollten auch die Geehrten mit der Art und Weise der Ehrung zufrieden sein. Wie knifflig diese Angelegenheit mitunter sein kann, konnte man in den letzten Monaten im Sportausschuss erleben. Vor vielen Jahren hat der Stadtsportbund vorgeschlagen, dass die halleschen Olympiasiegerinnen und Olympiasieger durch die Stadt geehrt werden sollen. Die Stadtverwaltung hat sich nun auf den Weg begeben, um diesen Vorschlag in die Tat umzusetzen und seit September 2017 berät der städtische Sportausschuss über die konkrete Durchführung der Ehrung.

Viele gute Gründe für eine Ehrung

Für die Ehrung von Halles erfolgreichsten Olympioniken spricht vieles. In einer Stadt, in der mehr als 40.000 Bürgerinnen und Bürger in Sportvereinen engagiert sind, nehmen die Olympiasiegerinnen und Olympiasieger eine besondere Rolle ein. Sie sind die Vorbilder schlechthin. Durch ihren Erfolg zeigen sie, dass mit dem Fokus auf ein Ziel und bedingungslosem Einsatz alles erreicht werden kann. Die Botschaft, die die halleschen Goldmedaillengewinnerinnen und -gewinner damit  aussenden, ist für viele junge Hallenserinnen und Hallenser eine zusätzliche Motivation, um sich sportlich zu betätigen. Darüber hinaus wirken diese halleschen Spitzensportlerinnen und Spitzensportler aber nicht nur nach innen. Auch in der Außenwirkung kann ein offensiver Umgang mit unseren Olympiasiegerinnen und Olympiasiegern ein zusätzlicher Faktor sein, um die Bekanntheit unserer Stadt zu steigern. Generell treten Sportlerinnen und Sportler, die unabhängig vom Leistungsniveau im Rahmen ihrer Spiele, Wettkämpfe oder Meisterschaften  andere Städte besuchen, als Botschafter für ihre Heimatstadt auf. Für die Athletinnen und Athleten, die bei Olympischen Spielen nicht nur teilgenommen haben, sondern auch noch den Spitzenplatz auf dem Podest erreichen konnten, gilt das im besonderen Maße. Eine Ehrung ist somit auch ein Beitrag, um für diese Botschafterrolle als Stadt „danke“ zu sagen. Es gibt also viele gute Gründe für die Ehrung dieser halleschen Ausnahmesportlerinnen und -sportler. Leider konnte man in den Diskussionen manchmal meinen, dass die guten Gründe für die Ehrung der einzige Punkt war, auf den sich die Verwaltung und die Stadträte auf Anhieb einigen konnten.

„Park der Olympasieger“ – Versteckspiel mit Sportbezug

Die Gretchenfrage in den vergangenen Monaten war die Suche nach einem geeigneten Standort. In der Erarbeitung ihres Vorschlages hat die Stadtverwaltung eine Vielzahl an möglichen Standorten einer intensiven Prüfung unterzogen. Neben der Frage, wie an jeweiligen Ort die beste Wirkung der 14 Stelen für die 14 bisherigen Olympiasiegerinnen und Olympiasieger erzielt werden kann, waren auch die Erreichbarkeit, die Zentrumsnähe, die Erweiterungsmöglichkeiten und der Sportbezug wichtige Abwägungskriterien. Die Stelen sollten auch durch Passanten „eher zufällig“ entdeckt werden können. Die Kriterien waren überzeugend und nachvollziehbar gewählt, der letztendlich vorgeschlagene Standort leider nicht. Der Park hinter dem Erdgas-Sportpark ist für sich betrachtet ein interessanter Ort für die Ehrung der halleschen Olympiasiegerinnen und Olympiasieger. Der Sportbezug ist im sogenannten Sportlerdreieck nicht von der Hand zu weisen, die Nähe zum Stadion und zur Sportschule belegt diesen Fakt. Darüber hinaus bietet der „Park der Olympiasieger“ am Gesundbrunnen ein geeignetes grünes Umfeld und viele Erweiterungsmöglichkeiten. Der von der Verwaltung vorgeschlagene Standort ist allerdings alles andere als zentrumsnah. Durch die Lage hinter dem Stadion könnte man fast meinen, die Stadt würde ausgerechnet ihre erfolgreichsten Sportlerinnen und Sportler verstecken wollen. Es ist nahezu auszuschließen, dass sich Passanten zufällig an diesen Ort „verirren“ und dort den „Park der Olympiasieger“ entdecken. Mit diesem Versteckspiel war, wie sich bereits in der ersten Beratung zeigte, niemand glücklich.

Alternativstandort: Hafenbahntrasse

Doch die Suche nach einer Alternative verlief alles andere als einfach. Geeignete Standorte für mindestens 14 Metallstelen sind auch in der halleschen Innenstadt rar gesät. Meine ersten Ideen, der Hansering und das umgestaltete Ufer das Mühlgrabens gegenüber der Neuen Residenz, waren schnell verworfen. Der Hansering wäre mit den zusätzlichen Stelen überfrachtet gewesen. Der Mühlgraben wird auch nach der Umgestaltung zum Naherholungsort im Hochwasserfall eine Überflutungsfläche bleiben. Er ist damit ein denkbar schlechter Standort für Metallstelen, da diese den Abfluss der Wassermassen nur bremsen würden. Erst eine Runde der Fraktionen wenige Tage vor Weihnachten brachte einen Durchbruch. In diesem Fall hat sich einmal mehr der Charme der Kommunalpolitik gezeigt. Am Ende langer Diskussionen gelingt es oft, für praktische Probleme pragmatische Lösungen zu finden, die fernab von den jeweiligen Parteiprogrammen von allen unterstützt werden. Mit der Hafenbahntrasse als Standort für die Stelen zur Ehrung der 14 halleschen Goldmedaillengewinnerinnen und -gewinner wurde eine solche Lösung gefunden. Zwischen Holzplatz und Meseberg-Brücke findet sich genug Platz für hoffentlich bald nötige Erweiterungen, die Hafenbahntrasse wird von vielen Sportlerinnen und Sportlern genutzt – der Sportbezug liegt somit auf der Hand – und zuletzt wäre der Standort auch zu Fuß wie auch mit der Bahn schnell erreichbar. Der einzige Wermutstropfen der Kompromisslösung ist die Zentrumsnähe. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass aber kein anderer Standort gefunden wurde, der geeignet und näher am Marktplatz gelegen war, ist dieser Kritikpunkt zu verkraften. Zudem wird sich der Publikumsverkehr in diesem Bereich in den nächsten Jahren durch das dort entstehende Planetarium und die geplante Schule erhöhen. Auf der Hafenbahntrasse würde die Ehrung für die Olympiasiegerinnen und Olympiasieger damit nicht Gefahr laufen, ähnlich versteckt zu sein, wie es im Sportlerdreieck gedroht hätte.

Ehrung auf der Zielgeraden

Der Sportausschuss hat auf seiner gestrigen Sitzung dem Kompromissvorschlag der Fraktionen zugestimmt. Auch wenn bedauerlicherweise am Ende nicht alle Fraktionen, die den Vorschlag ausgearbeitet hatten, diesem auch zugestimmt haben, liegt nun endlich ein konkreter Plan des zuständigen Ausschusses vor. Nun ist es an der Verwaltung, diesen Vorschlag vor der Stadtratssitzung am 31.01.2018 mit den zu ehrenden Sportlerinnen und Sportlern zu besprechen und ihre Meinungen einzuholen. Mir ist klar, dass es kein einfaches Unterfangen ist, alle 14 Olympiasiegerinnen und Olympiasieger gleichermaßen für den gleichen Standort zu begeistert. Sicher werden einige von ihnen andere Vorstellungen oder Ideen haben. Ich hoffe aber, dass der von langer Hand erarbeitete Vorschlag des Sportausschusses am Ende die einhellige Zustimmung der zu Ehrenden findet und die Idee, die vor vielen Jahren vom Stadtsportbund eingebracht wurde, endlich auf die Zielgerade einbiegen kann. Die halleschen Goldmedaillengewinnerinnen und -gewinner haben es verdient.

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