300 Seiten Zukunft – Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK)

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Dieses Zitat wird Helmut Schmidt zugeschrieben. Heute müsste es eher heißen: „Wer keine Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Die Stadt Halle hat sich auf den Weg gemacht, um Visionen für die Stadtentwicklung zu sammeln.

Ein Konzept wie jedes andere- und doch ganz anders

Das Arbeiten mit Konzepten ist im Stadtrat eine vertraute Tätigkeit. Konzepte sollen die Leitplanken des kommunalpolitischen Handelns, die Fahrtrichtung und nicht zuletzt auch das Ziel vorgeben. In den letzten Monaten hat sich der Stadtrat so zum Beispiel intensiv mit einem Wirtschaftskonzept oder dem Sportprogramm beschäftigt. Nach intensiven Diskussionen zwischen Rat und Verwaltung aber auch mit Experten der jeweiligen Gebiete konnten so am Ende stets mit großer Mehrheit die mit kleinen und großen Änderungen versehenen Konzeptentwürfe der Verwaltung beschlossen werden. Das Konzept, mit dem sich der Rat nun in den nächsten Monaten intensiv beschäftigen wird, ist allerdings ein vielerlei Hinsicht anders.

Ein Zukunftskonzepte von Bürgern für Bürger

Die Erarbeitung des neuesten Konzeptes unterscheidet sich vom Verfahren der üblichen Konzepte. Während sonst die Verwaltung Verfasser eines ersten Entwurf ist, waren es beim ISEK Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die in Bürgerkonferenzen ihre Zukunftsideen für alle nur erdenklichen Felder der Kommunalpolitik zusammengetragen haben. Außerdem wurden im Zuge der Erarbeitung in Expertenworkshops Akteure wie Vertreter der Hochschulen, Museumsdirektoren oder Institutsleiter gehört, die sonst nicht unbedingt im Verdacht stehen, in vorderster Front mit den kommunalpolitischen Themen befasst zu sein. So ist nach Sortierung, Ergänzung und redaktioneller Überarbeitung durch die Verwaltung ein Papier von mehr als 300 Seiten entstanden, das ein Bild von Halle im Jahr 2025 zeichnet.

Bildung, Soziales, Saale und Stadtumbau

Um die Lesbarkeit des wuchtigen Papierstapels zu erhöhen, hat sich die Verwaltung unter Federführung von Uwe Stäglin, dem als Beigeordneten für Stadtentwicklung und Umwelt die Koordination rund um das ISEK zukommt, entschieden, die Zukunftsvisionen in einen fachlichen und einen räumlichen Teil zu unterteilen. Die Fachbeiträge umfassen nahezu jedes denkbare Themengebiet und so werden unter anderem Zukunftsziele in den Bereichen Bildung, Sozialen und Wissenschaft ausgegeben, die in vielen Teilen erheblich visionärer und längerfristig angelegt sind, als die monatlichen Vorlagen im Stadtrat. Der räumliche Teil ist in die vier Himmelsrichtungen, das Teilraumkonzept „Innere Stadt“ und das Kapitel „Stadt am Fluss“ unterteilt. Gerade das letzte Thema hat bereits in vielen der durchgeführten Bürgerkonferenzen für reichlich Diskussion, vor allem aber viele spannende Visionen gesorgt. Darüber hinaus greift der räumliche Teil des ISEK auch die Frage auf, wohin sich der Stadtumbau in Neustadt, Heide-Nord, Silberhöhe und Südstadt aber auch in der Nördlichen und Südlichen Innenstadt bis 2025 entwicklen soll.

Gesucht: Bürgerideen für Stadtvisionen

Nicht nur der reine Umfang, sondern auch die thematische Vielfalt des ISEK hat den Ausschlag dafür gegeben, dass das Konzept nicht wie andere Vorlagen und Konzepte nach einer Diskussion in den zuständigen Ausschüssen vom Stadtrat beschlossen wird. Nach der Sommerpause wird der Stadtrat die öffentliche Auslegung dieser Zukunftsvisionen für Halle beschließen. Im Zuge weiterer Bürgerkonferenzen sollen die Ideen dann nochmals öffentlich diskutiert und Impulse beziehungsweise Änderungen aufgenommen werden. Dieser neue Ansatz ist ein großartiges Beispiel für Bürgerbeteiligung. Es bleibt zu hoffen, dass die zweite Phase der Konferenzen ähnlich gut besucht wird, wie die Phase der Erarbeitung des ISEK. Von den Ideen der Bürgerinnen und Bürger lebt auch die Vision von Halle im Jahr 2025.

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