Von Freizeitsportlern und Olympiasiegern – Ein Sportprogramm für (H)alle

Längst gilt Sport nicht mehr als Selbstzweck. Neben der positiven Auswirkung auf die Gesundheit zeigen gerade die aktuelle Flüchtlingssituation und die in diesem Zusammenhang von vielen halleschen Vereinen ins Leben gerufenen Projekte, welches Integrationspotential der Sport hat und wie erfolgreich er Menschen unabhängig von Herkunft, Sprache, Geschlecht oder sozialem Status zusammenbringt. Für die Kommunalpolitik geht mit der Feststellung, dass wir in einer Sportstadt leben, in der mehr als 40.000 Menschen in Sportvereinen engagiert sind, aber auch eine Verpflichtung einher. Vor dem Hintergrund der immer schmaler werdenden Spielräume im freiwilligen Bereich des städtischen Haushalts übersteigen die Kosten für Betriebskostenzuschüsse, Sportstättenneubau und -sanierung oder Veranstaltungsförderung die Möglichkeiten der Stadt um ein Vielfaches. Um die Entwicklung, die der Sport in Halle in den letzten Jahren genommen hat, nicht abzubremsen, ist es daher zwingend notwendig, für die kommunale Sportpolitik Schwerpunkte und konkrete Ziele zu benennen.

Im Dezember 2015 hat die Stadtverwaltung dem Stadtrat in einem zweiten Anlauf innerhalb von sechs Jahren einen Vorschlag für ein Sportprogramm gemacht, das solche Schwerpunkte und Ziele beinhaltet. Doch gänzlich zufriedenstellen kann der Entwurf nicht. Gerade bei den Fragen, wie sich die Stadt im Bezug auf die Höhe von Mitgliedsbeiträgen, die Erreichbarkeit von Sportstätten und die Vermarktung unserer sportlichen Alleinstellungsmerkmale verhält, bleiben viele Fragen offen.

Auch die Beteiligung des organisierten Sports erfolgte im Zuge der Konzepterarbeitung nicht. Die SPD-Fraktion nutzte dieses Versäumnis als Ansatzpunkt, um zum Auftakt der Überarbeitung des Entwurfes eine Veranstaltung mit den Vertretern des halleschen Sports und den Mitgliedern des Sportausschusses durchzuführen. Vertreter von Leistungs- und Breitensport aber auch Verbände und Organisationen wie der Stadtsportbund diskutierten dabei mit den Stadträten über notwendige Änderungen. Letztendlich mündeten die Ergebnisse der Veranstaltung in einem Änderungsantrag, dem auch die Fraktionen von Die Linke und Bündnis 90/ Die Grünen beitraten. Im Wesentlichen fußen die Änderungen auf drei Schwerpunkten:

1) Breitensport mit bezahlbaren Beiträgen
Sport kann seinen sozialen Zweck nur erfüllen, wenn diejenigen, die am meisten von sportlichen Aktivitäten profitieren, auch Zugang zu Vereinen haben. Ein wichtiges Kriterium ist dabei der Mitgliedsbeitrag. Stellt die Stadt öffentliche Hilfen unter die Bedingung, dass vorher alle Mittel des jeweiligen Vereins ausgeschöpft sein müssen, würden Bauprojekte zwangsläufig zu Beitragserhöhungen führen und gerade Kinder, Jugendliche und finanziell schlechter gestellte Personen vor Probleme stellen. Wir wollen, dass städtische Hilfen so gewährt werden, dass Vereine die Sozialverträglichkeit ihrer Beiträge gewährleisten können.

2) kommunales Sportmarketing für unsere Leuchttürme
In vielen Städten ist Sport ein fester Teil des Stadtmarketings. Die Städte haben erkannt, dass überregional aktive Mannschaften, Europa- und Weltmeister oder Olympiasieger die Städtenamen in die Welt tragen und ihre Heimatstädte bekannt machen. Halle hat diese Entwicklung verschlafen. Wir wollen das Sportmarketing aus dem Tiefschlaf holen und die positiven Effekte unserer erfolgreichen Sportlerinnen und Sportler nutzen.

3) Sportstätten der Zukunft
Die Zeit der neu gebauten Großsportstätten, die für eine einzige Sportart nutzbar ist, sind vorbei. Mit dem Bau der Ballsporthalle in Halle-Neustadt ist Stadt bereits den Weg hin zu zentralen Sportkomplexen mit multifunktionalen Nutzungsmöglichkeiten gegangen. Völlig vergessen hat die Stadt bei der Erstellung des Sportprogramms aber, dass bei einer älter werdenden Bevölkerung und einem immer größer werdenden Gesundheitssportsektor auch der Bedarf an individuellen, wohnortnahen Sportstätten gestiegen ist. Die Rehasporträume in der Carl-Schurz-Str. sind bisher noch ein Einzelfall. Wir wollen, dass die Stadt der Zeichen der Zeit erkennt und den Spagat zwischen multifunktionalen, zentralen und wohnortnahen Sportstätten meistert.

Mit dem Beschluss des so geänderten Programmes am 22.06.2016 besitzt die Stadt nun nach mehr als sechs Jahren Arbeit endlich sportpolitische Leitlinien, die der Vielfalt unserer Sportlandschaft gerecht werden und für Olympiasieger ebenso wie für Freizeitsportler beste Voraussetzungen liefern.

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